SCM Insights, Use Cases
4. April 2018

Weg mit dem blinden Fleck: Einblick in die Fertigung des Lieferanten sichert Planungsvorsprung

Passende Themen: Inbound Supply Chain, Industrie 4.0, MES, SCPM, Smart Supply Chain, Transparenz, Versorgungssicherheit

Durch die Anbindung an das MES des Lieferanten gelingt es auch in volatilen Märkten die Bestände zu senken und die Liefertreue zu sichern.
Durch die Anbindung an das MES des Lieferanten gelingt es auch bei sehr kundenspezifischen Produktanpassungen die Bestände zu senken und die Liefertreue zu sichern.

Ein führendes Aerospace-Unternehmen optimierte seine globale Lieferkette mit SupplyOn mittels eines innovativen Industrie-4.0-Projekts: durch Integration des MES (Manufacturing Execution System) des Lieferanten erhalten Kunde und Lieferant eine gemeinsame Sicht auf die Bedarfs-, Bestands- und Fertigungssituation des Lieferanten, in Quasi-Echtzeit. Den Kundenbedarfen wird die geplante Nachschubplanung des Lieferanten – also Fertigungsaufträge und Bestände – gegenübergestellt. Diese Transparenz sowie Trendaussagen führen zu Bestandsreduktion und erhöhter Liefertreue.

Die Herausforderung

Die Aerospace-Lieferkette ist global verteilt, die unterschiedlichen Stufen sind eng getaktet. Hinzu kommt, dass die komplexen Bauteile höchste Ansprüche erfüllen müssen und die Produktionszeiten sehr lang sind. Gleichzeitig genießen die Endkunden, also die Airlines, eine hohe Flexibilität und Vielfalt für kundenspezifsche Varianten, selbst kurz vor der Auslieferung. Dieses Änderungsmanagement wirkt sich vom OEM über alle Stufe der Lieferkette aus. Technische Bauteilneuerungen und kurzfristige Bedarfsänderungen sind an der Tagesordnung. Angesichts dieser Herausforderungen stellen sich traditionell Bestandspuffer in der Lieferkette ein, um die Endkundenversorgung sicherzustellen.

Daher suchte ein führendes Aerospace-Unternehmen nach einer Lösung, um Bestände zu senken, bei gleichzeitig voller Liefertreue seiner Inbound Supply Chain.

Im Kern ging es um Antworten auf die folgenden drei Fragen:

  • Ist die Versorgungsplanung, insbesondere die Fertigung des Lieferanten, mit den Kundenbedarfen optimal synchronisiert?
  • Werden die Teile rechtzeitig gefertigt?
  • Welcher Trend zeichnet sich bei den Planungsparametern wie Wiederbeschaffungszeit und Fertigungsausstoß ab, um entsprechend die Bestellung beim Lieferanten zeitgerecht platzieren zu können?

Die Lösung: Anbindung des Lieferanten-MES an Analytics-Lösung

Das Unternehmen setzt seit geraumer Zeit die SupplyOn Branchenlösung AirSupply ein. Es lag nahe, darauf aufbauend die Analytics-Lösung SCPM (Supply Chain Performance Management)
von SupplyOn zu nutzen. Denn damit lassen sich die Fragen beantworten. Die Bedarfs- und Lieferprozesse von AirSupply sind mit SCPM integriert. Im Rahmen dieses Industrie-4.0-Projekts werden Fertigungsaufträge und Bestände als zusätzliche Datenobjekte in SCPM ergänzt.

Dabei kam ein agiler Projektansatz zum Einsatz: Innerhalb von nur 90 Tagen wurde die Lösung umgesetzt und unter Produktivbedingungen pilotiert.

Im Pilotprojekt wurden zunächst geeignete Bauteile für die Analyse und Prognose der Bedarfs- und Fertigungsplanung ausgewählt: komplex zu fertigende bzw. nicht einfach substituierbare Bauteile, die hohe Sicherheitsbestände bzw. unregelmäßigen Fertigungsausstoß aufweisen. Dazu stellte der Lieferant die Planaufträge, Fertigungsaufträge und Bestandsinformationen über verschiedene Kanäle (WebService, Mobile App, EDI) an SCPM bereit.

Die Analytics-Funktion ermittelte in Quasi-Echtzeit die beidseitig vereinbarten Kennzahlen zur optimierten Abstimmung der Beteiligten:

  • Bedarfskollaboration (Nutzungsquote)
  • Line of Balance (Fertigungsfortschritt)
  • Prognostizierter Liefertermin (OTD)
  • Prognostizierter Bestand

In der Konsequenz wurden wesentliche Planungsparameter der Lieferkette, wie Planlieferzeit und Sicherheitsbestand, von SCPM analysiert und sukzessive im ERP-System des Kunden sowie im Fertigungsplanungssystem des Lieferanten angepasst.

SCPM analysiert auf Basis von Kunden- und Lieferanteninformationen die wesentlichen Planungsparameter
SCPM analysiert auf Basis von Kunden- und Lieferanteninformationen die wesentlichen Planungsparameter

Die Vorteile

  • Synchronisierung von Bedarf und Bedarfsänderungen mit dem Fertigungsfortschritt und der Bestandssituation ermöglicht optimierte Abrufe und reduzierte Sicherheitsbestände. Trendermittlungen unterstützen dabei wesentlich.
  • Der ganzheitliche Blick auf den gesamten Prozess – von der Vorschau und deren Änderungen, über den Bedarf und konkrete Abrufe, die Fertigung, die Sicherheitsbestände, bis hin zur Lieferung und zum Wareneingang beim Kunden – ermöglicht eine effektive Steuerung der Lieferkette. Ausnahmebasiertes Handeln wird auf die wirklich kritischen Situationen bzw. Trends reduziert.
  • Automatisierte Ermittlung von zwischen Kunde und Lieferant abgestimmten Kennzahlen spart Zeit und vermeidet individuelle Interpretationen.
  • Trendaussagen helfen den Beteiligten, frühzeitig einzugreifen, Kosten zu sparen und die Liefertreue auf unverändert hohem Niveau zu sichern.
  • Hohe Lieferantenakzeptanz durch gemeinsamen Blick auf die gleichen Kennzahlen. Einfache Integration des Lieferanten durch einen industrialisierten Onboarding-Service. Der Lieferant kann die Daten per EDI, WebService oder Mobile App an SCPM senden.

Markus Mandt

Manager Innovation Projects

Die Digitalisierung birgt viele Chancen! Mein Ziel ist es, diese Potenziale durch innovative, für unsere Kunden nutzbare Lösungen zu materialisieren, so dass Kosten reduziert und Flexibilität erhöht werden. Als Manager Innovation Projects setze ich in engem Schulterschluss mit der Produktentwicklung die Ideen in Lösungen um. Im Blog möchte ich unsere Ansätze und Erfahrungen auf diesem Weg mit den Lesern teilen.

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